Positionen und Berichte zum Umbruch
im Arbeitsfeld Kultur und Kulturmanagement

20.02. — 20.08.2020

War früher wirklich alles anders, Marco Läuchli?

Marco Läuchli (*1953) absolvierte den ersten Studiengang des SKM der Universität Basel. Das war im Jahr 2000, und er arbeitete als Projektleiter für die Expo02. «Auf der täglichen Zugfahrt von Zürich nach Neuchâtel hatte ich viel Zeit, um zu lesen und zu studieren. Auf dieser Strecke habe ich auch meine Masterarbeit geschrieben.» Thema: Führungskonzepte in öffentlichen Theatern der deutsch-sprachigen Schweiz.

Eigentlich habe er bis dahin beruflich nie etwas bewusst geplant, erzählt Marco Läuchli. Er sei in den 1980er-Jahren in die Theaterszene hineingewachsen. «Kaum vorstellbar, dass heute das Schauspielhaus Zürich auf einen jungen Menschen zukommt und ihm die Leitung des Schauspielhaus-Kellers anbietet….» Der Wettbewerb und der Druck, sich darzustellen, seien für die jüngeren Generationen bestimmt stärker geworden.

Grössere Umbrüche kamen erst später in seinem Leben: Da war ein Zugunfall während er Ende der 1990er-Jahre das Kulturamt im Kanton Thurgau aufbaute: Monatelang war Marco Läuchli ausser Gefecht. Und da war 2010, als er beschloss, dem Kulturbereich den Rücken zu kehren. «Ich wollte kein alter weisshaarigen Sesselkleber werden, der nicht loslassen kann.» Marco Läuchli übernahm die Firma inventare, die für das Bundesamt für Kultur das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) erstellt und leitete diese während den nächsten zehn Jahre. «Dann beendete das BaK diesen Auftrag und ich war mit 63 Jahren arbeitslos. Zum ersten Mal in meinem Leben schrieb ich Bewerbungen.»

Er wendete sich wieder dem Kulturbereich zu, übernahm Produktionsdramaturgien, hatte Lehraufträge, bekam kulturpolitische Mandate (Stiftungsrat Pro Helvetia, Tanzhaus Zürich, Reithalle Aarau, Südpol Luzern). Seit einem Jahr organisiert er unter anderem zusammen mit Werner van Gent das Kulturprogramm für Schiffahrten. Und er ist seit Jahren bei der Berner Gruppe BewegGrund engagiert.

Mit welcher verbitterten Hartnäckigkeit heute teilweise in der Szene über Begriffe wie Authentizität, Inklusion, Nacktheit, Gender oder Quoten debattiert wird, irritiere ihn, sagt er. «Das sind doch alles Debatten, in denen wir früher schon viel weiter waren», bilanziert er. Darin spiegle sich wohl auch eine gesellschaftliche Entwicklung. «Wenn man uns früher klare Rezepte vorgegeben hätte, hätten wir uns sofort dagegen gewehrt. Heute verlangen die Jungen geradezu danach. » Halb scherzhaft, halb verwundert stellt er fest: «Nun bin ich in der Position des weissen alten Mannes, der grad vielerorts angegriffen wird.»

Marco Läuchli war einer der ersten Absolventen am SKM der Universität Basel, Larissa Bizer schliesst den Studiengang diesen Herbst ab: Im Dialog erkunden sie Generationsunterschiede und wie der Blick auf die Kultur und der Wert der Kunst sich verändert haben.