Positionen und Berichte zum Umbruch
im Arbeitsfeld Kultur und Kulturmanagement

20.02. — 20.08.2020

Von der freien Projektarbeit in die Kulturförderung: Larissa Bizer

Für Larissa Bizer (*1981 in Hamburg) stand 2018 der Wunsch nach einer Veränderung am Anfang ihres Studiums am SKM, das sie im Herbst 2020 abschliessen wird. «Ich hatte schon vieles gemacht, hatte genügend Projekte und eine gute Position in der Szene. Und doch hatte ich das Gefühl in einer Sackgasse gelandet zu sein.»

Ihr Rucksack war damals schon gut gefüllt. Sie hatte nach dem Studium der Theaterwissenschaften in Wien an verschiedenen Theatern in Österreich und der Schweiz gearbeitet, in unterschiedlichen inhaltlichen und organisatorischen Funktionen. Sie hatte 2017 das Basler Produktionsbüro produktionsDOCK mitgegründet und sich im Berufsverband der freien Theaterschaffenden Schweiz t. engagiert. «Mein Weg kann auch sprunghaft wirken. Alle paar Jahre etwas anderes. Wenn es mir irgendwo zu eng wurde, habe ich mir etwas Neues gesucht.»

2018 verordnete sie sich selbst eine Pause: «Ich war erschöpft und wollte die Scheuklappen, die es im täglichen Arbeiten, wo es immer um Problemlösung geht, aufmachen.» Sie beendete alle Projekte und fing an zu studieren. Ein halbes Jahr später war bei der Pro Helvetia eine Stelle ausgeschrieben. Sie bewarb sich und arbeitet seit Sommer 2019 im Förderbereich Tanz & Theater bei der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

«Rückblickend passt alles gut zusammen. In meinem neuen Job kann ich ganz viele meiner bisherigen Erfahrungen einbringen.» Larissa Bizer hatte schon davor ab und zu über einen Seitenwechsel nachgedacht und sich gefragt, wie lange sie die flexible, teilweise prekäre Projektarbeit in der freien Szene noch weiterführen wolle. 2014 kam ihr Sohn zur Welt. «Da stellten sich die Fragen nach Kontinuität und Planbarkeit nochmal ganz neu.»

Theaterwissenschaftlerin, Dramaturgin, Produktionsleiterin, Kulturmanagerin…: Dass sie nie genau wisse, welche Berufsbezeichnung sie in Formularen angeben sollte, sei vielleicht bezeichnend für ihren Weg, sagt sie. «Das ist vielleicht auch ein Kennzeichen meiner Generation. Für uns sind schnelle Wechsel und eine ständige Weiterentwicklung einerseits normal. Andererseits erleben ich grad auch eine grosse Sehnsucht nach mehr Ruhe, nach Entschleunigung.» Und last but not least: nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Da sei jetzt in der Förderpolitik genau richtig, Es gehe darum Rahmenbedingungen zu schaffen, die neben der Flexibilität auch Stabilität unterstützt.

 

Marco Läuchli war einer der ersten Absolventen am SKM der Universität Basel, Larissa Bizer schliesst den Studiengang diesen Herbst ab: Im Dialog erkunden sie Generationsunterschiede und wie der Blick auf die Kultur und der Wert der Kunst sich verändert haben.