Positionen und Berichte zum Umbruch
im Arbeitsfeld Kultur und Kulturmanagement

20.02. — 20.08.2020

Kunst und Management in Personalunion: Anuk Jovović

Die rigiden Abläufe, wie ein effizientes Projektmanagement sie verlangt, sind oft nicht kompatibel mit künstlerischen Arbeitsmethoden und -prozessen – und dem Grundsatz der Kunstfreiheit. Anuk Jovović (1984), selbstständige Videokünstlerin, vereint diese zwei divergierenden Logiken in Personalunion.

Jovović studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. 2012 hat sie als Künstlerin angefangen, eigene Projekte zu initiieren: «In der Videokunst», erklärt sie, «arbeiten wir viel im Team.» Organisation ist ein wichtiger Teil davon. Jovović erkennt schnell, dass sie gut und gern organisiert. Aber ihr Organisationshandwerk ist improvisiert. An der Kunstakademie wurden ihr dafür keine Tools mitgegeben. In ihren Studienjahren hat sie ausschliesslich ihren künstlerischen Ausdruck weiterentwickelt. Nach ihrer Ausbildung und einer Assistenz an der Akademie in München verbringt Jovović ein Jahr in Lissabon und zieht schliesslich 2014 in ihre Heimatstadt Basel. Obwohl die Umzüge nicht in erster Linie beruflich motiviert waren, haben sie sich auf ihre Karriere ausgewirkt. In Basel arbeitete Jovović bei Littmann Kulturprojekte GmbH und hat sich 2018 beim SKM angemeldet. Ihren Abschluss macht sie voraussichtlich 2020. Jovović wollte ihre Kulturmanagementkenntnisse vertiefen: «Für eine selbständige Künstlerin und Projektleiterin ist Management eine elementare Kompetenz.», ist sie überzeugt. Als Künstlerin falle man auf dem Jobmarkt oft zwischen Stuhl und Bank. Jovović hatte teilweise falsche Erwartungen an die Kulturmanagement Weiterbildung. Sie hatte zum Beispiel gedacht, dass es einfacher würde, eine interessante, gut bezahlte Arbeitsstelle zu finden. Positiv überrascht war Anuk Jovović hingegen vom spannenden Austausch unter den Studierenden im Unterricht und in den Pausen.

Heute führt Jovović ein Künstlerin-Managerin Berufsleben. Aber auf ihrer Visitenkarte steht trotzdem nur Künstlerin. «Ich trenne diese beiden Bereiche sehr», begründet Jovović. Es sei wichtig, dass Kulturmanager nicht inhaltlich mitreden, sondern sich um den Arbeitsrahmen kümmern. Kunstschaffende sollten nicht in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Als Künstlerin trete man dann in den Managementbereich ein, wenn man aus dem Atelier raus gehe. Das Management sei allgegenwärtig durch die Frage, wie die eigene Kunst an die Leute gebracht werden könne. Ausserdem habe ihre Selbstständigkeit als Künstlerin viel mit Administration und Projektmittelbeschaffung zu tun. Letzteres ist für Jovović ein grosser Knackpunkt. Die Förderstellen wollen oft wissen, wie ein Projekt am Ende aussehen soll. Aber Kunst sei ein Prozess. Viele Details entstünden erst im Schaffen.

Kulturmanagerin und Videokünstlerin, zwei Seelen in einer Brust. Die Selbstverständlichkeit, mit der Jovović beide Tätigkeitsfelder für ihre Arbeit vereint, ist beispielhaft. Gleichzeitig zeigt ihre Biografie die Abhängigkeit zwischen Kunst und Management auf. Ein erfolgversprechendes Kulturmanagement gründet auf einem verständnisvollen Dialog zwischen beiden.

 

Anuk Jovović und Fabrice Umiglia sind in der Kunst wie im Management tätig. Im Dialog sprechen sie über ihre Karrieren und wie Umbrüche und Entscheidungen sie dahin gebracht haben, wo sie heute sind.